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Von Holland zum Harz

Die Mondfinsternis am 9.1.2001 aus der Lenkradperspektive


von Detlef Koschny



Zur Mondfinsternis am 9.1. hatte ich keine besondere Beobachtung geplant. Weil: Ich musste dienstlich zum Max-Planck-Institut für Aeronomie nach Lindau am Harz fahren (und wohne momentan in Holland - in Noordwijkerhout, also genau zwischen Amsterdam und Rotterdam). Kurz vor Beginn der Finsternis, um ca. 18h30m, fuhr ich los. In Holland war's bedeckt, und der Mond war wirklich finster ;-) Aber schon die ersten Kilometer auf der Autobahn bekam ich den Mond zumindest sekundenweise zu sehen. Und tatsächlich, man sah dass er verfinstert wurde! Die Farbe des verfinsterten Mondes war grau, von rot war, entgegen den Ankündigungen, keine Spur zu sehen.

Irgendwo bei Arnheim, d.h. an der deutschen Grenze, und ca. gegen 20h, waren immer mehr Wolkenlöcher. Ich wurde zum Problem der anderen Autofahrer - denn ich schaute immer öfters zum Mond, der genau vor mir im Osten zu sehen war, denn auf die Strasse... Die Totalität erlebte ich in völliger Wolkenbedeckung, ungefähr um Dortmund rum. Aber danach rissen die Wolken wieder auf und verwandelten sich in Hochnebel. Kurz vor Kassel, um ungefähr 22h MEZ, hielt ich auf einem Parkplatz, weil der Mond schon zu hoch stand um in durch eine Windschutzscheibe aus einem fahrendem Auto beobachten zu können. Auf diesem Parkplatz konnte ich für etwa 10 Minuten den nicht mehr ganz verfinsterten Mond geniessen - nun wirklich blutrot, mit hellem Eck am oberen linken Rand, die hellsten Sterne von Orion und dem Taurus waren durch den Hochnebel gut zu sehen - dazu James Brown mit "Sex Machine" im CD-Spieler. Absolut eindrucksvoll.

Aber es sollte noch besser kommen! Um ca. viertel nach zehn, an der Auffahrt zur Autobahn Fulda - Kassel, konnte ich um den schon nicht mehr ganz verfinsterten Mond auch noch - ein 22 Halo beobachten! Das habe ich in meinem Leben erst einmal gesehen, nämlich 1995 in Tucson, Arizona. Das Halo wurde mir am nächsten Tag bestätigt, von Irene Büttner vom Max-Planck-Institut für Aeronomie (MPAe), sie sah eins nach der Finsternis um ca. 23h aus der Nähe von Lindau.

Ich jedenfalls kam um ebendiese Zeit, also ca. 23h, auf dem Parkplatz des MPAe an, klappte mein VW-Bus Dach hoch und legte mich nieder zu einer angenehmen Nachtruhe. Der Mond war nicht mehr finster, auch kein Halo verschönerte sein Leuchten. Aber: Die Fahrt war wunderschön! Ich erinnerte mich an frühere Finsternisse - mit Bernhard Helm, seiner Freundin Silke, dem Roland Egger (I), und Gabi auf dem Sudelfeld - oder in einem Treppenhaus in der Ostpreussenstrasse in München - oder im Jahr 1975 auf einem Acker in der Nähe von Egger's Haus (da wo jetzt das Industriegebiet in Olching ist...).

Eine Mondfinsternis mag nichts besonderes sein - man braucht kein Fernrohr, keine restlichtverstärkte Videokamera, keine super-lichtstarke CCD-Kamera, um sie zu sehen. Trotzdem führt sie uns vor dass die Erde wirklich einen Schatten wirft, die Himmelsmechanik wirklich funktioniert. Nur mit blossem Auge kann man Zeuge einer eindrucksvollen Demonstration der Mechanik des Sonnensystems werden! Deswegen werde ich wohl auch diese Mondfinsternis nie vergessen.