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Perseiden 1997 - Die nackten Fakten...


von Detlef Koschny


Nachdem - wie wohl überall in Europa - das Wetter auch in Bühle durchgehend schön war - wurde unsere Beobachtungszeit nur durch so mondäne Dinge wie
  1. Imaging ausgewählter Deep-Sky Objekte mit einer ST6-CCD-Kamera
  2. Reparieren von Videokameras mit Restlichtverstärker
  3. Müdigkeit
beeinträchtigt. Daher war die Erfolgsquote der AVWM Meteorbeobachter sehr hoch. In den Nächten vom 9. August bis 14. August konnten 10 Beobachter der AVWM insgesamt 66.16 Stunden effektive Beobachtungszeit verzeichnen. Nicht mitgerechnet sind dabei die Videokamerasysteme IMCA ( Intensified Video Camera ) sowie VideoMet ( Videokamera zur Meteorbeobachtung ), die jeweils ca. 6 Videobänder zu je 4 Stunden produzierten. Diese harren noch der Auswertung... Die meisten Beoachtungen sind von einer Qualität, daß wir die Daten auch an die International Meteor Organisation (IMO) senden.

Die meisten Beobachter zählten nur die Meteore, drei führten auch - zumindest bei niedrigen Fallraten - Plots der Bahnspuren durch. Die Plots dienten bei Zweifelsfällen zur genaueren Bestimmung der Stromzuordnung. Irgendwann werden wir die Bahnspuren auch in Himmelskoordinaten umrechnen und dann eine grafische Darstellung der aufgezeichneten Meteore produzieren.

Tabelle 1 listet die in den nachfolgenden Tabellen und Grafiken benutzten Abkürzungen der Namen.

Tabelle 2 zeigt die von den AVWM-Beobachtern aufgezeichnete Anzahl der Perseiden und Sporaden über die Beobachtungszeit. Nicht aufgelistet sind die Beobachtungen der Kappa Cygniden, der Capricorniden und der Aquariden.

In Abbildung 1 sind aus den beobachten Fallraten pro Intervall die sogenannten Zenithal Hourly Rates (ZHR) berechnet. Die ZHR ist die Fallrate, die pro Stunde bei einer Grenzgröße von 6.5 mag, einer Höhe des Radianten über dem Horizont von 90 und keiner Einschränkung des Gesichtsfeldes beobachtet worden wäre. Der sogenannte Populationsindex r wurde zu r = 2.6 angenommen.

Die Grafik zeigt einige interessante Dinge. So ist die Fallrate sowohl am 12. und 13. August sehr hoch. Laut IMO-Perseidenzirkular war tatsächlich das Maximum später als erwartet, und zwar erst am 13. August ca. 0 Uhr UT. Dies wird durch unsere Beobachtungen bestätigt.

Außerdem zeigt sich bei der detaillierten Analyse der Daten, daß wir manchmal Schwierigkeiten bei der Bestimmung der Grenzgrößendreiecke hatten. Anscheinend wird die Grenzgröße insbesondere bei Auszählen des Dreieckes im Schwan um bis zu 0.5 mag unterschätzt! Dies lässt sich durch die Einwirkung der Milchstraße durchaus erklären: sie erhellt den Himmelshintergrund, so daß trotz guter Grenzgröße nur wenig Sterne erkennbar sind... Dies ist allerdings nur eine Vermutung, wir bitten um Kommentare der Leser, ob dies bestätigt werden kann. Fazit ist natürlich in jedem Fall, daß das Auszählen nur eines Dreieckes definitiv zu wenig ist. Und mit einer schlecht bestimmten Grenzgröße lassen sich die Beobachtungen nicht vernünftig kalibrieren.

Ansonsten kann vermerkt werden, daß 1997 eines der erfolgreichsten Jahre für die Meteorbeobachtung der AVWM sein dürfte, obwohl außer den Perseiden bisher nur ca. 6 Mannstunden Beobachtungzeit im Januar vorliegen.

Die gesamten Beobachtungsstunden pro Jahr sind in der Ganymed 1/1997 auf Seite 9 aufgezeigt. Nur die Jahre 1992 mit 78.9 Stunden und 1993 mit 68.3 Stunden weisen mehr Beobachtungzeit auf als die Perseiden 1997!

Tabelle 1: Zuordnung Beobachtername - Abkürzung

BeobachternameAbkürzung
Andrea FriebelFRIAN
Gabi KoschnyHADGA
Andre KnöfelKNOAN
Detlef (Laffy) KoschnyKOSDE
Michael (Schmidi) SchmidhuberSCHMD
Bruno WagnerWAGBR
Georg WagnerWAGGE
Thomas WestphalWESTH

Tabelle 2: Fallraten pro Beobachter

Beobachtereffektive Beobachtungs-
zeit in Stunden
Anzahl
Perseiden
Anzahl
Sporaden
FRIAN11.1714431
HADGA4.004419
KNOAN9.4117238
KOSDE14.9928571
PFEMA2.0570
PLOHA2.00104
SCHMD5.819017
WAGBR9.6818928
WAGGE3.3510817
WESTH3.705617
Summe66.161105242

Abbildung 1: ZHR über Datum